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Schöpfungen von Zauberhand
Kalter Ostwind fegt um das kleine Häuschen, Regenschauer peitschen gegen die Fenster. Eingewachsen von Eschen, Holunder und Ulmen trotz es einsam dem unfreundlichen Wetter. Wohlige Wärme verbreitet der Gussofen, prasselnd lodern die Flammen, Rauch verlässt kaskadenhaft die „Rösslestube“ am Deich. Gedämpftes Klopfen und Schaben klingt durch ein großes Fenster an der Frontseite. Drinnen werkelt ein hochgewachsener, dunkelhaariger Mann aus der Südpfalz. Bearbeitet konzentriert einen säge rauen Pferdekopf aus einer fast 5000 Jahre alten Mooreiche (laut Dendrolabor aus Zürich 2938 v. Chr.). Der vollbärtige Hühne steht mit aufgekrempelten Hemdsärmeln vor seiner Werkbank. „Wenn ich an meinen Objekten zu schnitzen beginne, vergesse ich die Dimension von Zeit und Raum und mich selbst“, erklärt er dem dreinblickenden Besucher, der fröstelnd von einem Bein auf das andere tritt.

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Und wirklich, die Hand, die Friedrich Karl Becht einem zur Begrüßung entgegenstreckt, ist warm und entspannt. Diese Hände sind es auch, die einen schlichten Holzblock wie durch Zauberei in ein Ausdruck starkes Pferd oder einen edlen Elch verwandeln: Friedrich Karl Becht ist hier im Norden der Republik, einer der letzten Pferde- und Elchschnitzer. Dieses als seinen Beruf zu bezeichnen wäre allzu profan: Mit „Passion“ und „Berufung“ kommt man der Wahrheit aber schon recht nahe. „Die Tätigkeit des Schnitzens empfinde ich als von Meditation; ich fühle mich als Teil des Ganzen; ich bin entspannt und es wächst“. So philosophisch illustriert der 60-jährige sein künstlerisches Schaffen.

Holz ist der heißgeliebte Werkstoff seiner einzigartigen Schöpfungen. Holz in jeglicher Form, seine Materialauswahl ist sehr reichhaltig. „Das hat Eigenleben und Einzigartigkeit durch Maserung und Verwachsungen, und es ist nahezu unsterblich“. Ja, wirklich, die Grenzen von Vergangenheit und Zukunft scheinen aufgehoben, wenn er dem formlosen Stück mit dem Ziehmesser, seines Lehrmeisters aus der Schweiz, die ersten groben Züge eines Rappen Kopfes einhaucht. Der kohlefarbene Rohling ist nämlich Teil einer fast 5000 Jahre alten Mooreiche. Ein Drainage Pflug stieß mit seinem 120cm tiefen Schwert auf der Geest auf den fast schon versteinerten Stamm. Ständig auf der Suche nach Material – man kann sich schon denken, daß Becht sein Holz nicht im nächsten Baumarkt besorgt - hat der Rössleschnitzer bereits eine lokale Bekanntheit erreicht, von der er immer wieder profitiert.